Authentizität ist magisch

Gestern Abend habe ich mit meiner Freundin eine Zusammenfassung von Auftritten von Künstler:innen bei der amerikanischen Talentshow „The Voice 2021“ angeschaut.

Wir haben viele außergewöhnlich gute Interpreten und Interpretinnen bewundert, waren uns aber bei einer Beobachtung einig: eine handwerklich ausgezeichnete Performance allein reicht nicht, um sich von der Masse abzuheben. Die sind alle sehr gut. Wenn der Künstler/die Künstlerin nicht das gewisse Etwas hat, ist die Performance absolut austauschbar und es gibt aus Marketing-Sicht keinen rationalen Grund, warum der Künstler/die Künstlerin größeren kommerziellen Erfolg haben sollte. Das klingt eventuell etwas kühl und rational und letzteres ist es auch. Ich möchte diese Beobachtung rein von einer wirtschaftlichen Seite und mit der Marketing-Brille betrachten. Die menschliche Komponente ist für dieses Hypothese erst einmal außen vor. Persönlich bewundere ich Kunst und die Menschen, die sie machen, enorm.


Die berühmte Authentizität

Also, was ist der Punkt dieser Beobachtung, die ihr vielleicht teilen könnt? Es geht um die berühmt berüchtigte Authentizität. Wie oft hört und liest man in Videos oder Büchern: Sei einfach du selbst. Meist ist das nicht sonderlich vielsagend bzw. man kann schwer danach handeln. Selten führt der Vorsatz „Heute bin ich mal richtig ich selbst“ zu einem besonderen Ergebnis.

Aber, ich finde es ist dennoch möglich, etwas aus dem Ratschlag zu lernen. Und zwar den Mut zu haben, seine einzigartige Perspektive auf die Welt auszuleben und auszudrücken. Die Welt ist reicher, wenn die Gesellschaft die Chance bekommt, das Individuum, das in jedem von uns steckt, kennenzulernen. Ich durfte in meinem Leben bereits viele Menschen kennenlernen, denen dies gelungen ist. Und ihr stimmt mir vielleicht zu, es ist magisch. Menschen, die den Mut gefunden haben, ihre Einzigartigkeit mit der Welt zu teilen, sind unvergesslich und faszinierend. Sie sind unverwechselbar und machen die Welt interessanter. Niemand sonst ist so wie sie und das ist absolut spannend. 


Photo by Ilya Mirnyy on Unsplash

Das Risiko der Individualität nimmt ab

Viele würden diese Authentizität wahrscheinlich als charismatisch beschreiben. Am Ende ist es der Mut, sich selbst voll auszudrücken. Wie man es auch beschreiben möchte, die Gesellschaft belohnt diesen Mut mit ihrer Aufmerksamkeit und ihren Emotionen. Die Reaktionen sind, wie ihr euch schon denken könnt, nicht immer positiv. Das ist das Risiko der Individualität. Nicht jeder kann sich mit den Ansichten und der Persönlichkeit eines anderen Menschen identifizieren. Das wäre auch ziemlich langweilig, wenn alle 7,9 Milliarden Menschen gleich denken würden. Somit wird man, wenn man sich offen ausdrückt, viele wirkliche Freunde finden. Genauso wird es aber einige Menschen geben, die nicht mehr Teil der Reise durch das Leben sein wollen. Denn, jetzt können sie klar sehen, ob ihre Sicht auf die Welt mit deiner Sicht zusammenpasst. Evolutionär war das früher ein Risiko, da das Kollektiv überlebensnotwendig war. Heute können die meisten Menschen selbst überleben und gleichgesinnte können sich deutlich leichter finden. Daher ist das gesellschaftliche Risiko der Individualität deutlich gesunken.

Einzigartigkeit lohnt sich

Jetzt geht das ganze bisschen in die philosophische Richtung, somit nochmal zum Punkt. Die Welt hat bereits genug Menschen, die meisten Sachen ausgezeichnet machen. Durch die Globalisierung und die Verbindung der Menschen durch das Internet, können wir diese Leistungen per Klick erhalten oder bewundern. Wovon die Welt erst einmal nicht genug bekommen kann, ist die Chance, die einzigartige und spannende Perspektive anderer Menschen kennen zu lernen. Es lohnt sich, persönlich und wirtschaftlich einzigartig zu sein. Erreichen kann man das nur, wenn man den Mut findet sich selbst kennen zu lernen und dieses Selbst dann mit der Gesellschaft teilt. 

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